joel’s my name

i grew up in northern german countryside in a small village. 300 inhabitants, all white, quite a few farms still, including our own. my family was quite small, at least concerning kins, who mostly lived in a 15 km radius. the „core family“ was all three generations under one roof, this was true for pretty much all the farms in the village – it was necessary to be able to manage the farm. child care was shared by parents and grandparents (usually from the father’s side) and as soon as we children were big enough (i guess about 3 or 4 years old), we took off on our own to play in gangs all over the place. we, that was (is) my 2 younger sisters and me. we had a good time, mostly – although not always together!

our life was informed by living close to the natural world, close to (farm) animals, close to friends. it was affected by farm life and having to help out in holidays and in normal life, too. it was also affected by a small town scene with a pretty cool youth centre and another youth education centre nearby, where we did workshops on photography, screen printing, drumming,… and by the cities of hannover, hamburg and bremen in nearly equal distance – which lead us to listening to indie, punk and ska and to loving the anarchist songs of the levellers and new model army. i started skateboarding at 15 and loved it for years. i went vegan and straight edge at 18 and lived on the edge of being into animal liberation and being in charge of a pony and a horse that had shared most of my youth life with me.

from early on i was as sure as i could be that i did not want to have children on my own. still, i really like children and want to live close to them, all the more since i moved to a big community where i’ve got the chance to witness many of them grow up! so living in a smaller group now that has a baby is a big present.
i would like to find a good balance of living with kids and accompanying them on their path to becoming older and of all of us older ones having the space we need for self-expression and for critically looking at what happens in the world. sharing responsibility for children seems like a good option to give freedom to all sides…

Kiko ist da

Uff, jetzt gibt es schon soooo viel zu berichten, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen. Erst hatten sich die Wehen beruhigt, aber am Samstag war dann klar, es geht los. Mittags waren wir schon im Kreissaal und die Wehen waren wichtig heftig. Erst hieß es, wir dürften immer nur 2 Leute mit drin haben, aber wir waren die ganze Zeit zu dritt plus Hebamme und sie haben uns gar nicht gestört und es war wirklich gut so!!!!!
Ich kann es ja nur aus meiner Perspektive beschreiben, es war so ein konzentrierter kraftvoller klarer Raum, v.a. hatt ich das Gefühl, dass sich baby da echt richtig konzentriert nach unten schob trotz all dem Wehenstress. Als Kiko dann rausgeflutscht kam …..das war total überwältigend (wahrscheinlich nicht nur für mich) und so klein, halt noch ganz schön früh in unsere Welt gekommen. Das schönste ist, allen geht es gut, Kiko atmet, trinkt und schläft und macht die erstaunlichsten Grimasssen, manchmal ist sogar ein Lächeln dabei. Wer bisher noch nicht völlig verliebt war, wird es beim Lächeln auf jeden Fall sein.
Die neue Familie (Vater Mutter Kind) durfte ins Familienzimmer. Am ersten Tag haben wir uns also noch einigermaßen „normal“ verhalten, aber in der zweiten Nacht wollte dann ich dort übernachten statt dem Vater. „Das ist eigentlich ein Familienzimmer“ war die Antwort. Aber echt, die ganze Station ist echt toll, sie haben sich drauf eingelassen und so durfte ich heute die ganze nacht Kiko im Arm halten und Yuriko konnte mal eine Mütze Schlaf bekommen (einmal 1 Stunde, einmal 2). Ich bin mit Kiko in ihre Traumwelt gereist und finds einfach toll, sie immer nur zu halten und anzuschauen und zu spüren. Nun bin ich mal gespannt, ob sie sich in der Geburtsstation auch noch auf jemand weiteres einlassen zum Schlafen dort, aber wir wollen sie auch nicht überfordern. Ausserdem ist das auch für Yuriko und Kind ruhiger, wenn das nicht jede nacht jemensch anderes ist. Nun wechseln wir uns erstmal ab, dann kann ich jetzt mal eine Nacht pennen. So ohne Mutter-hormoncocktail ist das gar nicht so leicht, nicht zu schlafen (das ging früher mal, aber jetzt…)
Ich bin einfach nur dankbar, dass ich mit den beiden sein darf, dass ich so eingeladen werde, mich zu beteiligen und dass wir diese erweiterte Familie haben, denn da stützen wir uns alle gegenseitig. Und ich bin sooo dankbar für dieses kleine neue Wesen!
Gefüttert hab ich sie noch nicht, dazu müsste sie meinen kleinen Finger einlassen zum Nuckeln, da hatte Kiko allerdings ein klares Nein. Vielleicht ist es auch gut so, denn da kann es ja auch zu Stillverwirrung kommen und das will ich auf keinen Fall, Kiko nimmt ja immer noch ab und nicht zu. Hat alles noch Zeit.
DankeDankeDankeDankeDanke!!!!!!!!!

new life

i am not sure whether it is okay for me to write this post. because so far, i am not one of the closest ones to the baby and because it feels like the parents should deliver the news. so here come my excuses:
– i thought, maybe i can do it in english and the others do it in german, which is probably being read by much more people.
– i need something to do because i cannot go to the hospital, as i’ve got a stomach bug.

and with this bug, i could infect both mother and child. yes, believe your eyes: after it felt like an easy pregnancy (to me as an observer) where it looked like the birth would happen pretty much „in time“, everything happened really fast since last tuesday.

and the result is: Kiko was born on saturday, september 15th at four o’clock! s_he wheighed nearly 2000 grams and has got hands that are as wide as one bone of my index finger is long. TINY!

apparently, the birth was relatively easy. or at least to me it sound like an easy birth if it only takes about 8 hours from the first contractions till the baby is out! and despite that it had to happen in hospital because it was 6 weeks before the date, all others (biological father, emma, the godmother and of course the midwife) could be there, too. without doctors. the horrors of hospital birth did not become true, which i am really glad about – although of course some things went unnecessarily weird.

so here i am at home, sick in my bed some of the time and checking out heat lamps with the father and discussing where to put them at others. and now and again trying to reach yuriko on the phone. we hardly managed to get hold of each other yesterday because she’s so busy hand-feeding the child, pumping milk from her breasts, taking showers and trying to get a rest in between…

part of my imagination of what it would be like for myself when Kiko is born was that i would not see him/her right away (because around the calculated date, i would be travelling quite a lot). i wonder what it is good for that now that i could be close i get a stomach bug which keeps me away…

but apart from those musings: the pictures of the baby that i saw last night, taken by one of our house mates, are really beautiful. Kiko is beautiful and won my heart right away. i am looking forward to welcome the baby personally.

alles anders als gedacht

(diesen beitrag hatte ich September 2012 geschrieben und nicht richtig abgeschickt, nun also nachträglich)
Gestern hat Yuriko Wehen bekommen und da das Baby jetzt vielleicht noch nicht selbstständig atmen kann, sind wir ins Krankenhaus. Die Leute sagen immer, es wird alles anders als ihr es euch denkt. Und nun könnte es sein, dass das Baby schon jetzt zur Welt kommt. Ja das wäre wirklich völlig anders als gedacht. Zum Glück sind die Wehen heute mithilfe von Medikamenten zurückgegangen, in der nächsten Zeit werden wir sehen obs dann so bleibt und er/sie noch etwas wachsen kann, oder obs wieder losgeht und das Baby zur Welt kommt. Uff, jetzt schon Eltern werden, wo wir doch noch gar nicht „fertig“ sind mit Vorbereiten und reden und gar nicht alle zuhause und überhaupt. Ich bin echt aufgeregt und mit meinen gedanken vor allem da bei den beiden, alles andere wird gerade unwichtig. Und gleichzeitig bin ich auch gelassen, denn noch geht’s allen einigermaßen gut und wir werden schon reinwachsen in die Aufgaben, die das Leben für uns bereit hält.

es wird ernst

Es sind noch 7 Wochen bis zum Geburtstermin und das Baby kann ja auch schon vorher kommen. Bei mir sickert es so langsam durch, dass es nun doch ganz konkret wird. In letzter Zeit haben wir uns öfters getroffen und drüber gesprochen, was wir noch alles brauchen und tun müssen, wie wir uns die Geburt wünschen. Wir waren auch fast alle von der Gruppe da, als die Hebamme die Geburt durchgesprochen hat. Mit Yuriko habe ich die geschenkten Babysachen durchsortiert. Ich hab ja wirklich überhaupt keine Ahnung, was so ein Baby anzieht. Wir haben die allzu rosa-hellblau-berüschten Sachen aussortiert und die, die uns echt unpraktisch erschienen. Ist ja ein ganzer Zoo von kleinen Tieren, der da auf den Babyklamotten rumläuft (Mäuse, Bären, Elefanten, Wale, Schildkröten, Nilpferde, Dinos, Käfer, Bienen …) Zum Glück hat Yuriko schon Erfahrung mit Babys und demnächst schauen wir uns mal die gesammelten Kindersachen der Gemeinschaft an, was wir noch brauchen. Echt toll, dass wir uns das nicht kaufen müssen. Noch können wir alles an einem Ort lagern, da ja nach der Geburt erstmal alle zusammen im Haus bleiben. Aber später brauchen wir dann Klamottendepots im Haus und in unseren Bawagen, Wow!
In den letzten Tagen merke ich erst richtig, was auf mich zukommt. Ich bin ja nicht schwanger und hab das Lebewesen immer in mir. Für mich gibt es immer noch ein Schupfloch, zu denken, „dass ich dann halt mal schauen kann und so“ … aber nein, es ist ganz anders! Sobald das baby da ist, wird sich mein Leben genauso verändern, wie es sich für die biologischen Eltern verändert und zwar radikal. Ich werde mich ebenso fokussieren müssen, wie sie, um noch alles auf die Reihe zu kriegen und wahrscheinlich kann ich auch nicht mehr so viel arbeiten wie vorher und reicht dann das Geld für alle? Ehrlich gesagt wünsche ich mir auch so eine Art Elternzeit, also den Freiraum von den Anderen mitgetragen zu werden, wenn ich mich ums Kind kümmere. Kommt mir aber irgendwie unzulässig vor, sich sowas zu wünschen. Bin da vielleicht auch noch so ganz tradtionell geprägt. Die Vorstellung ein Kind zu gebären, und dann am Anfang einfach nur Mutter zu sein, fände ich schön. Nun ist es ja nicht mein Kind, aber ich möchte ja in die möglichst gleichwertige Elternrolle eintauchen und soll aber gleichzeitig weiter genauso für mich sorgen wie vorher. Hört sich erstmal nach Stress an.
Übers Ökonomische haben wir auch schon gesprochen. Gemeinsame Ökonomie wünschen sich viele in der Gruppe , aber nicht alle und das WIE ist auch noch nicht geklärt. Aber bei geteilter Elternschaft macht es so wenig Sinn, getrennt zu wirtschaften. Wenn einer offiziell Elternzeit macht, die Mutter durchs Stillen weniger arbeiten kann und ich auch weniger arbeite, als sonst, sollen dann die anderen 2 das Geld ransschaffen und wollen sie das überhaupt? Die wollen ja auch Kindzeit haben und dafür andere Geld verdienen lassen. Also irgendwie funktioniert das noch nicht, zumindest nicht in meinem Kopf. Die meisten Eltern haben ja ein ziemlich stressiges Leben und wir erhoffen uns ja da irgendwie schon was anderes, weil wir die Zeit teilen … also im Moment hab ich schon Angst vor Stress, aber das liegt vielleicht auch an meiner gesundheitlichen Situation, die mich eh einschränkt (bin seit 1,5 jahren mit Borreliose beschäftigt)
Achja und das „Brusternährungsset….sollen wir das wirklich ausprobieren? Also so ein Gerät, mit dem das Kind dann an andern Brüsten saugen kann und dabei vorher abgesaugte Muttermilch bekommt. Das fühlt sich in Bezug auf meine Brüste wie Kaltstart an, so ohne Schwangerschaft und all die körperlichen Veränderungen plötzlich ein Kind an meinen Brüsten saugen zu lassen. Kann ja sogar sein, dass dann eigene Milch kommt…. Wär schon cool, so eine Art Stillerfahrung machen zu können für mich und auch für das Kind … aber das wissen wir jetzt sowieso nicht, wie das mit dem Stillen und Abpumpen und so funktionieren wird. Aber ich würde mich da über diesbezügliche Erfahrungsberichte schon freuen.

not much but questions so far…

my head is spinning with these and more things that i muse about…

is it a good idea to go „nappy-free“?

what steps do we need to take to be equal parents? are we bold enough to challenge each other? why do we want to do this anyway?

and if we talk about „sharing parenthood“ would have been okay for me to say „i want to be asked if this is a good moment for us to become pregnant or not!“?

can we others breast-feed? will i produce milk then? they say it’s quite likely – but do i WANT to produce milk and breast-feed?

how do i introduce the child to my mum – „by the way, here is your grandchild that you always hoped for!“?

will there be any spare time?

will we give equal priorities to all our (adult) needs or will it always be the biological mum who has to take the child in the end?

are the house and caravan warm enough? does a heat lamp use too much energy to be ecological?

what if i am too clumsy to handle a baby?

is there enough tolerance in our society – and among our friends for little babies and all their „vital signs“?

… what questions do you have!?

ratgeber-überdosis

noch etwa 8 wochen bis zur geburt. und ich höre jetzt endgültig auf, schwangerschafts- und geburtsratgeber zu lesen. ich habe das alles satt, es kommt mir zu den ohren wieder raus. wie ich atmen soll, wie ich essen soll, wie ich denken und meditieren und fühlen soll. welche musik ich hören soll in welcher lautstärke. welche nahrungsergänzungsmittel, welche tees, welche aromaöle, welche yogaübungen, welche geburtsstellungen, welche windeln……ARGH!
es reicht.

ich stelle immer mehr fest, dass es mir eigentlich egal ist, welche windeln das kind tragen soll, oder ob keine. es ist mir – obwohl ich mich selbst vegan ernähre – nicht so wichtig, ob dieses kind tiere, zucker oder rohkost essen wird.

was ich diesem kind geben will, das bin ich, als person, mit allem drum und dran. mit meiner liebesfähigkeit und wärme, mit meinen zweifeln und meinem chaos und meiner kreativität und meiner wut. mit meiner geschichte und meinem weg damit.

unperfektion. das will ich diesem kleinen menschen mitgeben. liebe ohne immer alles richtig machen zu müssen. zu fehlern stehen und später drüber lachen. nicht immer alles so scheiße ernst nehmen. nicht die perfekte kindheit, sondern lebendigkeit. lust, sachen auszuprobieren, und vielleicht zu scheitern, und es nochmal anders zu versuchen.
es ist alles bereit. ich bin bereit.

dieser ganze geburtsvorbereitungskram – so nützlich er ja AUCH ist! – birgt die gefahr, aus der schwangerschaft und geburt eine leistungsshow zu machen. die perfekte schwangerschaft führt zum perfekten kind mit einer perfekten kindheit, die in ein perfektes leben mündet.
und falls nicht, ist auch schon klar, wer schuld ist: nämlich ich.

dieses kleine wesen kommt als kind weißer, gebildeter eltern, von denen alle einen uniabschluss haben, auf die welt. wir wohnen mitten in europa, sind krankenversichert und haben genug geld, uns gesund zu ernähren. und alle diese ratgeber richten sich auch genau an uns. (naja, fast: überall photos von weißen, glücklichen babies, meistens mit ihren mamas, und manchmal ist auch der papa mit dabei. andere bezugspersonen nicht.) ich lerne beim lesen, was ich schon jetzt dafür tun kann, dem kind diese privilegien auch zu erhalten. es gesünder, klüger, entwickelter als andere auf die welt kommen zu lassen.

klar, ich brauchte die literatur und habe sie in den ersten monaten auch verschlungen. denn obwohl schon einige meiner freund_innen eltern geworden sind, wusste ich vorher kaum etwas über schwangerschaft und geburt. ich brauchte informationen, um mich und meinen körper besser zu verstehen, um mir ängste zu nehmen und mich dazu zu befähigen, selbstbestimmte entscheidungen zu treffen. diese freiheit sollte allen schwangeren auf der welt zur verfügung stehen. jede_r sollte die möglichkeit haben, sich frei für eine bestimmte art zu gebären zu entscheiden. und jedes kind sollte gut ernährt, umsorgt und mit allen chancen auf bildung und entwicklung aufwachsen.

aber nach der ersten zeit des empowerment durch all das wissen merkte ich, wie ich zunehmend verunsicherter wurde. es gäbe ja so unendlich viel zu beachten und zu tun, beziehungsweise auf keinen fall zu tun. viele dieser ratgeber empfehlen nicht, sondern missionieren. und manche befehlen gar, wie dieses schöne beispiel aus einem HypnoBirthing®-manual:

„Gesunde Ernährung für glückliche und gesunde Babys
Gesunde, gut ernährte Mütter gebären gesunde Babys. Gesunde Babys sind stark und besser in der Lage, ihre Rolle bei einer einfacheren Geburt zu spielen. Der Körper ist während der Schwangerschaft wie ein wertvolles Instrument, das, um mit Leichtigkeit gut zu funktionieren, beste Pflege braucht. Dies sind nicht nur gut gemeinte Vorschläge, sondern ein absolutes MUSS.

a) Beseitige ALLE unnötigen Fette, Schnellimbisse, Fastfood und frittierte Nahrung, vor allem Pommes frites.
(es folgen ein paar gängigere Ernährungstipps für schwangere)
….
f) Lasse alles „Weiße“ weg: raffinierten Zucker, weiße Mehlprodukte, weißen Reis, weiße Kartoffeln, weiße Backwaren.
….
l) Andere Flüssigkeiten außer Wasser: Frucht- und Gemüsesäfte sind gut, aber sie ersetzen Wasser nicht! Vermeide kohlensäurehaltige Getränke und trinke NIE Diätgetränke (light), Koffein und Alkohol.“

aber sei trotzdem immer schön entspannt und genieße dein leben. schlechte gefühle spürt das baby nämlich auch.

dem ganzen noch eins drauf setzen dann veröffentlichungen, in denen natürliche und sanfte geburten als DIE methode zur verbesserung der menschheit angepriesen werden, wie beispielsweise in diesem trailer zum film „birth as we know it“: wenn alle menschen auf sanfte natürliche weise geboren würden, gäbe es viel weniger gewalt in dieser welt. kinder, die auf natürliche, entspannte weise geboren werden, können in ihrem weiteren leben eigentlich nur noch zum weltfrieden beitragen.
ich bin also nicht nur verantwortlich für mein leben und das des kindes in mir, sondern auch noch für den frieden der kommenden generationen. angesichts dessen nicht auf pommes verzichten zu können, ist natürlich selfish, verstehe ich vollkommen.

und noch etwas transportieren solcherart ratgeber: ich muss nicht nur irgendwie – möglichst ohne körperliche/psychische schäden für mich und das baby – selbiges auf die welt bringen. nein, wenn ich dabei nicht entspannt bin, ängste habe, falsch atme, medikamente nehme oder gar einen kaiserschnitt benötige, oder, oder, oder, dann habe ich es FALSCH gemacht.

ok, sarkasmus aus: natürlich wünsche ich mir für das kind, mich und alle beteiligten eine sichere, behagliche, für uns alle stimmige geburtsatmosphäre. in unserem fall bedeutet das, eine hausgeburt zu planen – mit kerzen, musik, lieben und vertrauten menschen um uns herum. und es ist gut, dafür alles mögliche zu tun. und natürlich ist es dafür gut, wissen zu haben, und es ist auch gut, dass wir hier überhaupt alle diese möglichkeiten, selbstbestimmt zu gebären, haben.
und vor allem ist es gut, viel über die körperlichen vorgänge bei der geburt zu wissen – weil mir das hilft, mich selbstbestimmt zu fühlen. aber dann gibt es da einfach auch noch die komponente von unplanbarkeit und unkontrollierbarkeit, und wahrscheinlich wird die geburt trotz allem ein mega-abenteuer. es lebe die kunst der improvisation!

und ich glaube NICHT, dass es gut ist, meine ernährung so umzustellen, dass ich keinerlei pommes, zucker und cola mehr zu mir nehme, und keine nudeln. und nach der geburt dann natürlich auch nicht, wenn ich stille. und danach das alles nur noch heimlich zu essen, damit das kind damit nicht in berührung kommt.
ich glaube auch nicht, dass es gut ist, mich in ein tägliches yoga-workout zu pressen, wenn mich das stresst.
und ich glaube ganz sicher nicht, dass ein permanentes schlechtes gewissen, dieses und jenes nicht gemacht und zu mir genommen oder doch genossen zu haben, dem kind, mir und dem weltfrieden irgendwie dienlich ist.

that’s me, yuriko

da hier ja verschiedene personen mit verschiedenen perspektiven auf das alles schreiben, stelle ich mich mal kurz vor. ich nenne mich hier yuriko und bin die biologische mutter, also die person, die the little one gebären wird.
ich stamme aus einer oberflächlich betrachtet behüteten welt einer mittelklassefamilie, mit reit- und klavierunterricht und so. meine familie war jedoch mitglied eines pseudoreligiösen kultes, und ich war von anfang an sexualisierter und psychischer gewalt ausgesetzt, bis ich mit anfang zwanzig abtauchte, meinen namen änderte und fast alle kontakte zu früher abbrach. mit den klassischen folgen: traumastörung, depressionen, selbstverletzung. eine zeit lang hatte ich nicht mal eine eigene wohnung.
ich hatte trotzdem noch lange das klassische bild im kopf von mann und familie. bis ein partner mir sagte, dass er mich schlicht für zu psycho halte, um mit mir kinder zu zeugen. danach dachte ich das auch lange – dann bekam ich immer mehr boden unter die füße, habe gelernt, gut für mich sorgen. habe mich auch in frauen verliebt, ganz neue kontexte kennen gelernt. und gemerkt, dass ich in das klassische modell von mama-papa-kinder wie in meiner ursprungsfamilie nie mehr zurück will, und da vermutlich auch nie besonders glücklich mit geworden wäre.
jetzt lebe ich mit einem männlichen partner in einer gemeinschaft, die für mich immer mehr zu meiner wahl-familie wird. und habe mir wieder zugestanden, kinder in meinem leben haben zu wollen. wir haben dieses kind dann allerdings zunächst gewollt und geplant, bevor klar war, ob es andere geben würde, die nahe bezugspersonen oder gar auch eltern sein wollen – das war nicht besonders reflektiert und ich bin froh jetzt, dass es diese tollen leute gibt.
ich habe noch immer hin und wieder beschissene zeiten, in denen ich für andere dann emotional schwer greifbar bin, nur körperlich anwesend. das wird sich durch das kind vermutlich nicht auf magische weise ändern. mit den anderen bezugspersonen hoffe ich, dem kind ein netz von personen zu geben, in dem es sich dann geborgen fühlen kann. und ich freu mich aber auch einfach, so was schönes wie das begleiten eines heranwachsenden menschen mit anderen teilen zu können.
ansonsten versuche ich gerade, meinen uni-abschluss fertig zu machen. ich lese und schreibe, mag zines, mache kunst und klamotten, und mag es, gruppenprozesse zu erfahren und zu begleiten. ich rede mit bäumen, meditiere und mache yoga. und vermisse in der verlassenen gegend, in die es mich verschlagen hat, aikido, theater und ein stammcafe um die ecke.

Emma schreibt

Hallo,
ich bin Emma. Mein Gefühl sagt mir, eigentlich müssten zuerst die leiblichen Eltern was schreiben, da sehe ich schon mal, was ich für Muster im Kopf habe, dazu später mehr….aber nun hab ich eben gerade Zeit und Lust. Die Leiblichen sind gerade Blutabnehmen. Ich bin also eine der Co-mütter. Bin schon über 40 und leider hat es bisher mit eigenen Kindern nicht geklappt. Vor einem Jahr hab ich damit Frieden schließen können und wirklich akzeptieren können, dass ich wahrscheinlich keine eigenen Kinder haben werde. Und prompt kommt dann also ein Baby meiner Mitbewohner_innen (wir sind derzeit 4 Frauen und 2 Männer). Und prompt wollen die Eltern Co-Elternschaft mit uns. Und ich möchte das auch (und mein Partner auch), obwohl das einigermaßen neu für mich ist. Es ist wirklich ein ganz neues Lebensgefühl. Früher hab ich in WGs die Mitverantwortung für Kinder zwar gewollt, aber dennoch als Belastung gesehen und es hat mir Stress gemacht, das mit meinem Leben in Einklang zu bringen…so ist dann auch nix außer Nerv draus geworden.
Nun ist es so, dass ich richtig bereit bin, ein Kind zu bekommen, mein Leben dadurch auf den Kopf stellen zu lassen und eine neue Beziehung zu einem neuen Erdenwesen einzugehen.
Hab sogar schon Kontat aufgenommen (nachdem ich in „geborgene Babys“ über Haptonomie gelesen habe) hab Hand aufgelegt und mit dem Kind gespielt. Er/sie hat sich mehrmals gedreht und geboxt. Seitdem ist er/sie so real geworden und ich freu mich riesig auf die Geburt.
Nun sind es noch ca. 70 Tage und es wird eben immer konkreter. Da steht ein großer Beutel Babysachen, die wir geschenkt bekommen haben und durchsortieren müssen. Gestern haben wir uns mit einer anderen Mutter getroffen, um ihre Erfahrungen zu windelfrei zu hören und vorgestern, um zu besprechen, wie wir rund um die Geburt da sind, was es noch zu tun gibt, wo die Wickelecke im Raum hinkommt etc.
Das tut gut, so konkret mitzudenken, es gibt ja schon noch die Tendenz, diese Überlegungen den Eltern zu überlassen. Und das stelle ich auch bei mir fest, es gibt auch sehr die Tendenz, den Eltern die Entscheidungshoheit zu überlassen …. obwohl nicht ganz, die sind sich ja auch nicht immer einig und dann hab ich schon auch eine starke Meinung….z.B. bei windelfrei würde ich mich absolut als voll entscheidungsbefugt sehen. Könnte aber sein, dass es dann Themen gibt, wo ich eher innerlich zurücktrete. Bei „Ultraschall ja oder nein“ finde ich entscheidet v.a. die Mutter darüber, was sagt ihr Gefühl dazu. Beim Impfen (ja oder nein) bin ich mal gespannt, hat ja noch etwas Zeit.
Manchmal hab ich etwas Sorge, dass ich mich zu doll auf das Kind „stürze“, weil ich all meine unerfüllten Kinderwünsche da reinpacke. Problem erkannt, Gefahr gebannt, ich beobachte mich einfach … die Leute sagen ja immer, es kommt sowieso alles anders als mensch denkt, wenn Kinder kommen. So, also soweit für heute