mit Kiko auf Reisen

Kiko ist ein sehr reisefreudiges Kind. Es war trotzdem aufregend, Kiko auf eine lange Überlandreise nach Irland mitzunehmen. Hinzu kam noch, dass Emma und ich zum ersten Mal alleine für 11 Tage mit Kiko unterwegs waren, ohne die anderen beiden (Bio-)Eltern. Wir sind mit der Bahn durch den Tunnel nach London, Übernachtung im Hotel, weiter mit Zug und Fähre nach Dublin, wieder Übernachtung im Hotel und am nächsten Morgen mit Mietwagen nach East Clare, ans andere Ende der Insel.
Interessant für mich war, dass Kiko die gesamte Reise über und auch während unseres Aufenthaltes in Irland zufrieden und sicher wirkte und kein Anzeichen von Heimweh oder Vermissen der anderen Eltern zeigte. Ab und an fragte Sie nach Yuriko und Heiko oder nannte uns beide sogar so, aber immer nur auf eine neugierige, da-war-doch-noch-wer Art und Weise. Aber Kiko nannte sogar mich auch ein paar mal Emma oder Mammi. Diese Begriffe scheinen austauschbar und bezeichnen anscheinend einfach nur eine wichtige Bezugsperson. Während des Reisens freute Kiko sich außerdem jedes Mal aufs Hotel und tobte immer erst einmal ein wenig im neuen Domizil herum.
Was auch noch auffällig war, dass Kiko des öfteren in Irland dafür sorgte, dass immer beide Erwachsene mit ihr kamen – Kiko sozusagen die Herde zusammenhielt. Bereits nach 2 Tagen hatte Kiko sich jedoch so weit an die neue Umgebung und die Menschen darin gewöhnt, dass Kiko auch zu anderen Kontakt aufgenommen hat. Das war für mich auch ein Zeichen dafür, dass sich Kiko sicher und geborgen gefühlt hat. Für mich persönlich war diese Reise ein weiterer wichtiger Schritt, meine Beziehung zu Kiko zu vertiefen. Zum ersten Mal so gefühlt hatte ich, als wir beschlossen, die Nächte einzeln mit Kiko zu verbringen, ohne die Bio-Mutter noch dabei. Die Angst, dass ich nicht genüge, wenn ich alleine längere Zeit mit Kiko zusammen bin, ist nun so gut wie verschwunden. Diese Angst rührte sicher zum großen Teil daher, dass ich nicht der Bio-Vater bin und Kiko im Alltag des öfteren eine größere Affinität für Heiko zu haben scheint, als für mich. Normalerweise bin ich nur 2 Stunden pro Tag alleine mit Kiko zusammen und zusätzlich jede vierte Nacht, selten mal einen halben Tag am Stück. Der nächste Bonding-Schritt für mich wäre dann wahrscheinlich mal, allein mit Kiko für ein paar Tage zu verreisen. Bisher haben das nur Heiko und Yuriko gemacht.
Da das Treffen in Irland ein Arbeitstreffen war, bin ich entweder mit Kiko zusammen oder mit dem Projekt beschäfigt gewesen. In dieser Situation hatten Emma und ich gefühlt nur ein paar Minuten hier und da für uns zwei. Ich frage mich, ob das für Kleinfamilien mit nur 2 Eltern der Normalzustand ist? Sicher entwickelt mensch dann irgendwelche Strategien, für mehr Partnerzeit. Für mich sind das bisher Ausnahmezeiten, so dass ich selbst noch keine Strategien entwickelt habe, für diese Art von Alltag.

PS: Wir hatten Vollmachten von den Bio-Eltern dabei, für die Grenze oder ähnliche Situationen. Es kam jedoch nur einmal, in Brüssel, bevor wir in den Eurostar nach London eingecheckt haben dazu, dass uns der belgische Beamte in Uniform gefragt hat, ob das unser Kind sei. Und obwohl ich die Vollmacht noch nicht einmal erwähnt, geschweige denn gezückt hatte, hat er uns durchgelassen. Wir hatten schließlich Kikos Pass dabei, vielleicht war das für den Grenzbeamten ausschlaggebend.
Wer weiß.

PPS: Wieder zu Hause spielt Kiko jetzt des öfteren „Verreisen“. Anscheinend findet Kiko Tapetenwechsel selbst auch sehr interessant.

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