Co-Muttersein nach 16 Monaten

Gerade lege ich das Buch von Jochen König weg „Fritzi und ich“, wo er darüber schreibt, wie es ist, als Vater alleinerziehend zu sein und welchen Rollenklischees mensch überall begegnet. Echt tolles Buch! Am Ende schreibt er, dass es für eine Person eigentlich eine viel zu große Aufgabe sei, ein Kind großzuziehen, sogar für 2 Personen, die dann auch noch Beziehungsthemen haben und dass es eigentlich mehr Menschen in Elternverantwortung bräuchte. Das wären dann also wir, vier Leute, die sich freiwillig zusammen um ein Kind kümmern. Wenn ich den Alltag eines allein erziehenden Menschen oder sogar von zuzweit-erziehenden Menschen so mitbekomme, bin ich mir regelmäßig des großen Luxus bewusst, den wir gerade erleben. Selbst wenn ich, wie gerade, zwei Nächte hintereinander, 2 Morgende und 2 Vormittage hintereinander auf Kiko aufpasse, so kommen doch zu jeder Mahlzeit die andern Eltern zusammen und ich kann sie wieder abgeben. Und heute Nachmittag kann ich dann ganz ungestört in meinem Bauwagen sitzen und mich gründlich erholen von der stressigen Zeit, die ich gerade hatte (Messe, Deadlines in meiner Arbeit und so), sogar heute Abend auch noch. Ich bin erst morgen um 9 wieder dran.
Im Moment ist mein Kontakt zu Kiko auch dementsprechend nicht sooo rosig. Es geht uns gut miteinander, aber sie merkt, dass ich etwas abgespannt bin. Mittlerweile kann ich aber gut damit leben. Es gibt auch andere Zeiten, in denen es superschön ist mit uns. Ich fühle mich mittlerweile zu -sagen wir- 90% als vollwertige Mutter. Die Einschränkung mache ich, weil wir das mit dem Abstillen noch nicht durch haben und so die Nächte immer noch ganz von Yuriko abhängen. Solange wir das noch nicht machen, fühle ich mich auf diesem Gebiet einfach total unsicher.
Das Gefühl von vollwertiger Elternschaft kommt aber auch vom Kontakt mit Kiko, sie macht deutlich klar, was sie will und ich lerne mit ihr, was sie braucht, wie sie ist, wenn sie müde wird, was sie mag und nicht mag, ihre ersten Worte (Hallo, Menno und Geil) und ihre vielen neuen Worte, die sie gerade lernt. So entsteht ganz leicht bei mir das Gefühl, dass ich vollwertig für sie sorgen kann und wir unsere ganz eigene Beziehung zu einander entwickeln. Aus diesem Gefühl kam dann auch vor Weihnachten der Impuls von mir, sie alleine ins Bett zu bringen. Mittlerweile klappt das bei allen richtig gut. Das trägt auch zu diesem Gefühl bei.
Es ist leider immer noch so, dass sie alles stehen und liegen lässt, das Buch, das wir gerade anschauen, das Stück Kartoffel, für das sie gerade den Mund aufgemacht hat, wenn sie Yurikos und Heikos Stimme hört. Ehrlich gesagt, das nervt! Heute hatte ich ihr was gekocht. Kurz bevor es fertig war, kam Yuriko rein und der Hunger wurde an der Brust gestillt. Danach war mein Essen noch gut, um es vom Teller auf den Tisch und von dort herunterfallen zu lassen. Da merke ich, dass ich mit dem Thema doch noch nicht so entspannt bin. Ich nehme es mir nicht mehr so persönlich zu Herzen, aber es nervt. Und dabei bin ich mir sicher, dass diese Unterscheidung nicht darauf zurückzuführen ist, dass eine_r von uns besser mit ihr umgehen kann und deshalb beliebter ist. Es kommt vom Gebären, Stillen und der engen Beziehung zwischen Heiko und Yuriko. Ändern wird sich vielleicht etwas, wenn Kiko abgestillt ist und wir alle unabhängiger uns bewegen können. Ich freue mich auch schon sehr darauf, mal mit Alex und Kiko alleine Zeit zu verbringen, irgendwohin zu fahren oder so.
Interessant finde ich, dass trotz nur Viertelelternschaft mein Leben fast ausschließlich aus Kind und Alltag besteht. Es fällt mir seit Kiko da ist, regelmäßig schwer, meinem Leben eine Richtung zu geben, mir wirklich bewusst zu sein, was mir wichtig ist, mir Ziele zu setzen. Es gibt mal so Momente, aber die versacken dann wieder im alltäglichen Rhythmus, alle 3 Tage Kikonachtabendundmorgen, täglich 2 Stunden von 9-11 oder von 11-13 Uhr oder von 14.30-16.30 oder von 16.30 bis 18.30.
vielleicht ist das am Anfang eines Lebens mit Kindern einfach so und irgendwann werden wir alle wieder selbstständiger, die Kinder und die Eltern.

13 Gedanken zu „Co-Muttersein nach 16 Monaten“

  1. Also wenn ich hier lese genervt davon zu sein das das Kind eine engere Beziehung zu den wirklichen Eltern hat dann kann ich nur den Kopf schütteln. Es sollte jedem klar sein das das Gebären und Stillen im Normalfall (zumindest einseitig von dem Kind an die Mutter) eine tiefe Bindung/Verbundenheit hervorruft. Es ist toll ein Kind im Verbund mit vielen Menschen großzuziehen. Das es von Anfang an unterschiedliche Ansprechpartner hat ist toll.
    Aber es wird immer, zumindest wenn die Kinder noch klein sind, das biologische Elternpaar eine höhere Stellung als der Rest…wenn sie verfügbar sind.
    Sowas muss euch doch vorher klar gewesen sein……oder etwa nicht? Da kann man doch nicht anfangen mit Genervtheit dem Kind ein Schuldgefühl zu machen das die echten Eltern einen anderen Stellenwert haben…
    Habt ihr euch mal Gedanken gemacht in was für eine Situation ihr sie da bringt. Natürlich kann ein Kind viele Menschen lieben, aber ihr habt da oft wenn man die Texte so lest einen Konkurrenzkampf drin der immer wieder abgeschwächt werden soll indem geschrieben wird wie wichtig euch allen ja z.B. auch das Stillen ist etc. Aber man hört doch raus das es da Eifersüchte, Unstimmigkeiten und Konkurrenz gibt. Und wenn man als Leser es raushört, wieviel mehr muss euer Kind es spüren.

  2. hallo uhu, ich sehe genau wie du, dass es wichtig ist, dass wir uns reaktionen und empfindungen wie eifersucht und so bewusst machen und versuchen sollten, einen umgang damit zu finden, unter dem kiko möglichst nicht leidet.
    wie sich unsere rollen in der gemely in der realität gestalten würden, das konnten wir nur durch ausprobieren heraus finden. wir hatten mal vor, dass ich von anfang an ganz viel abpumpe und kiko auch die flasche von den anderen bekommt. wir haben es dann aus vielen verschiendennen gründen doch anders gemacht, und damit bewusst in kauf genommen, dass kiko sich zumindest an mich vermutlich am stärksten binden würde. das war uns allen klar. wie sich das dann in der realität wirklich ANFÜHLT, das wussten wir vorher nicht.
    wir versuchen mit gefühlen wie eifersucht untereinander ehrlich umzugehen, so kriegt kiko davon am wenigsten ab. wir sind halt auch nur menschen, keine perfekten erziehungsroboter! und ehrlich gesagt glaube ich, dass es für kiko besser ist mitzukriegen, wenn wir uns solche gefühle eingestehen und sie mitkriegt, dass wir damit einen umgang finden. wie stellst du dir denn den idealen umgang mit gefühlen vor, die nicht sein sollten, aber nunmal da sind? so tun, als hätten wir sie nicht, weil wir sie ja nicht haben dürften, weil wir das ja vorher hätten wissen müssen?
    deine meinung zur natürlichkeit der bindung an die biologischen eltern teile ich nicht. kiko bindet sich an mich stark, weil ich stille. und es lange zeit oft so war, dass irgendwie doch ich ein bisschen selbstverständlicher zeitlich öfter da war. und jede nacht. und vermutlich an heiko, weil wir ein paar sind und meine gefühle und mein verhalten ihm gegenüber vermutlich auf kiko abfärben. vielleicht ist es aber auch einfach zufall, dass sie gerade auf heiko so steht. ich kenne beispiele von anderen co-familien, in denen die bindung an den bio-vater nicht „natürlicherweise“ stärker war als an andere bezugspersonen.
    herzliche grüße, yuriko.

  3. Hallo,

    ja wahrscheinlich ist ein offener Umgang mit diesen Gefühlen tatsächlich am besten. Irgendwie ist Eifersucht für mich ein Gefühl mit dem ein Kind eben in dem Alter noch nicht umgehen müssen sollte. Weil es einfach eine Zerissenheit in jedem Kind auslöst weil es ja niemanden verletzen will mit seinen Wünschen. Und dann eifach hin und hergerissen ist zwischen dem was es gerne selbst möchte (zur echten Mama gehen wenn die den Raum betritt z.B.) und dem Gefühl das es dann aber die Zweitmama verletzt.
    Da ich selber in einer intakten Familie aufgewachsen bin und auch in meinem Umfeld kaum Trennungen oder Scheidungen waren mag dieser Wunsch aber auch einfach realitätsfern sein weil die gleiche Zerissenheit ja auch zwischen getrennten Eltern die sich um das Kind streiten entsteht. Aber es ist halt für mein Gefühl für ein Kind ein sehr schwieriges Thema damit so früh und dann ja täglich oder zumindest fast täglich damit umgehen zu müssen…..

    Das die Bindung nur aufgrund des Stillens stärker ist kann ich mir nicht so recht vorstellen. Aber ich habe natürlich keinerlei Erfahrung mit diesem Lebensmodell und habe euren Blog auch nur mal durch Zufall entdeckt. Kenne also keine anderen Familienkonstellationen dieser Art. Aber ich denke das auch die Geburt und die von Anfang an starken Gefühle aufgrund der Hormone (nicht unweigerlich nur positive, aber zumindest deutlich stärkere als z.B. bei der Zweitmutter ohne Hormone) einer Mutter dem Kind gegenüber viel an dieser Bindung ausmachen. Und das sie den leiblichen Vater bevorzugt hängt natürlich sicherlich mit eurer starken Bindung zusammen.

    Falls die Sätze etwas schwer verständlich sind hängt das mit meinen beiden Söhnen zusammen die hier neben mir am Spielen sind. 🙂

    Viele Grüße
    Uhu

  4. hallo uhu, keine sorge, ist alles gut verständlich! 🙂
    ich mag noch was zu den begriffen „echte mama“ und „zweitmama“ sagen. wir nennen uns gar nicht mama, sondern benutzen die vornamen. kiko hört diese bezeichung trotzdem öfter aus dem umfeld und ich bin gespannt, ob sie sie irgenwann benutzen will, oder nicht, und wen sie dann wie betiteln wird.
    es fühlt sich falsch an zu sagen, dass ich die „echte“ mutter bin. emma ist auch kikos echte mutter. sie versorgt sie tag und nacht und ist gewillt, für den rest ihres lebens für kiko da zu sein. sie macht alles das, was eltern tun, bis auf das stillen. ich finde es besser, bio-mutter oder leibliche mutter zu sagen, das wertet nicht so stark und bennent die dinge einfach so, wie sie sind.
    schön, dass es hier mal ne diskussion gibt!
    yuriko

  5. Hallo, habt ihr das eigentlich irgendwie vertraglich geregelt? Notariell oder so? Was passiert wenn ihr euch zerstreitet oder nicht mehr hinter dem Projekt steht?

    Viele Grüße
    Uhu

  6. Hallo Uhu und Lotta,
    wir haben keine vertragliche Regel. Das einzige, was legal in Deutschland gemacht werden kann ist, ein Testament zu schreiben, in dem die anderen im Todesfall das Sorgerecht bekommen.
    Es gibt bisher nur ein Land (Canada), das Sorgerecht für mehr als die 2 leiblichen Eltern zulässt (so sie da sind)
    Da wir alle ein inneres commitment zu der Elternschaft spüren, kann ich mir gerade nicht vorstellen, dass wir irgendwann mal keine lust mehr auf das Projekt haben. Es ist eben kein Projekt, sondern eine Elternschaft.
    Dennoch haben wir es bisher auch nicht geklärt, wie wir mit schweren Konfliktfällen zwischen uns Eltern umgehen würden.
    gruß
    Emma

  7. Liebe E.,

    hab Dank für deine Antwort.

    Hier wird gerade auch über Testament und co. überlegt.

    Schön wäre, wenn das alles einfacher wäre.

    Bestes, L.

  8. Liebe Eltern,
    mit Interesse habe ich euren Blog verfolgt. Da nun ein paar Monate seit dem letzten Eintrag vergangen sind frage ich mich, ob ihr weiterhin schreiben werdet?
    Es kann vielfälltige Gründe haben, den Blog einzustellen und es wurde ja auch schon gesagt, dass er komplett vergessen wurde. Blogen ist demnach eher eine randständige Beschäftigung. Ich würde euch trotzdem Mut zusprechen es weiter zu betreiben. Auch wenn es euch schwerfällt die Besonderheiten in eurem Alltag in Worte zu fassen, gibt es da draußen Menschen, die alle eure Beiträge mit großem Interesse verfolgt haben. Das der Blog nun still geworden ist, erzeugt in mir die Angst, dass ihr mit eurem Erziehungsmodell an einen schwierigen Punkt gekommen, vielleicht sogar gescheitert seid. Das würde mich traurig machen. Erinnert euch an die Eltern, die euch mal besucht haben und welche Kraft sie euch gegeben haben. Ihr nehmt für andere Menschen genau diese Rolle ein. Ihr ermutigt über Konventionen nachzudenken und alternative Praxen zu entwickeln. Selbst wenn ihr an einen Punkt kommen werdet, an dem ihr euch neue grundsätzliche Fragen vorlegt, fänd ich es spannend zu erfahren wie diese Aussehen, wo ihr im Rückblick Dinge anders gemacht hättet und woran das Modell gescheitert ist. Nun ist es sicherlich nicht das Wichtigste und nicht das Erfreulichste aller Welt vom eigenen Scheitern zu berichten. Gleichwohl habe ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben aus gemachten Fehlern zu lernen.
    Vielen Dank für euren Blog
    Toni

  9. Liebe-r Toni,
    keineswegs gescheitert. Wir co-Eltern fröhlich vor uns hin und das nun schon seit 1,5 Jahren. Wir erleben gerade Kikos Wortschatzexplosion (ihr Kommentar dazu: Bumm). Warum wir so wenig schreiben? ich habe immer nur das Bedürfnis zu schreiben, wenn estwas aussergewöhnliches los ist, also eine Sache, die irgendwie emerkenswert ist, eben weil wir zu viert Eltern sind.
    Aber oft geht der Alltag einfach so dahin……da fällt mir ein, es gibt doch was neues. ich schreibs mal unter neuen beiträgen.
    Gruß
    JUlia

  10. Hallo!

    Mein Name ist Justus Licher und ich schreibe im Namen von RTL Guten Morgen Deutschland. Wir interessieren uns für einen Beitrag bezüglich Co-Elternschaften und sind dabei über euren Blog gestolpert. Bisher liest sich alles sehr gut und wir würden uns freuen, wenn ihr uns eine Mail schicken könntet!

    Einen schönen Tag noch und weiterhin alles Gute!

  11. Hallo Justus Licher,
    Danke für dein Interesse an unserem Blog. Leider stehen wir für die RTL-geschichte nicht zur Verfügung. Das wäre nicht das Format und der Sender, in dem wir mit so einer sensiblen Geschichte an die Öffentlichkeit gehen würden.
    Grüße von Emma

  12. Hallo,
    ich hab noch eine Ergänzung zur rechtlichen Frage. Neben dem Testatement gibt es noch das „Umgangsrecht“:

    㤠1685
    (1) Großeltern und Geschwister haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient.
    (2) Gleiches gilt für enge Bezugspersonen des Kindes, wenn diese für das Kind tatsächliche Verantwortung tragen oder getragen haben (sozial-familiäre Beziehung). Eine Übernahme tatsächlicher Verantwortung ist in der Regel anzunehmen, wenn die Person mit dem Kind längere Zeit in häuslicher Gemeinschaft zusammengelebt hat.“ (Bürgerliches Gesetzbuch)

    und die Möglichkeit der Sorgeberechtigten, diverse Vollmachten auszustellen. Die müssen regelmäßig erneuert werden und am besten für die verschiedenen Lebensbereiche (Reisen, Gesundheitliches, Kita abholen…) einzeln verfasst werden. Ist aber nicht rechtlich bindend und macht auch keinen Sinn, sich das notariell beglaubigen zu lassen.

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