identität

vor nun bereits wieder vier wochen hatten wir mit der gruppe, deren teil wir sind, einen intensivtag. das heißt, wir haben uns den ganzen tag miteinander getroffen und alle möglichen anliegenden themen besprochen. ich nenne diese gruppe jetzt einfach mal die „gang“, weil sonst gleich alles durcheinander gehen wird. also: es gibt die „gang“, eine gruppe von freund_innen, die sich gemeinsam ein haus teilt, und innerhalb dieser gang gibt es dann noch die „gemely“, die gemeinsam kiko beeltert.

ein großes thema war an diesem wochenende die abgrenzung zwischen diesen beiden gruppen. wir haben unter anderem ein „spiel“ gemacht, bei dem die gang im kreis stand und immer eine person in die mitte gegangen ist und ein statement in den raum gesetzt hat. unter anderem sowas wie: „ich finde, dass die gemely dazu beigetragen hat, dass unser haus jetzt immer warm und wohnlich ist“. (genauer wortlaut war etwas anders, glaube ich). alle anderen, die sich dem statement anschließen konnten/wollten, sind dann auch in die mitte gegangen. was dann interessanterweise passierte war, dass bei dem gerade genannten nur ich, heiko, emma und a-lex in die mitte gegangen sind und die anderen nicht.

im anschluss daran haben wir in der runde zusammen gesessen und über die statements gesprochen und wie es uns gerade so geht mit diesen beiden gruppen. eine mitbewohnerin von uns hat dann gesagt, dass sie nicht in die mitte gegangen sei, weil sie nicht findet, dass das ein verdienst der gemely sei, sondern dass das immer mit einem kind einhergehe.
dann wurde uns noch gespiegelt, dass sich diese unsere haltung arrogant anfühlen würde, und dass die selbstbezeichnung als gemely etwas abgrenzendes und trennendes habe.

für mich war das sehr erhellend. und obwohl ich das natürlich nicht so leicht schlucken konnte, kann ich das auch nachvollziehen. wir kamen dann als gruppe zu der frage, warum eigentlich diese klare fixierung, wer zur gemely gehört und wer nicht, und das ganze überhaupt so zu nennen, so wichtig ist.

meine antwort darauf ist zur zeit, dass ich das konstrukt gemely als vertrauensrahmen brauche. gemely, das sind für mich die leute, die sich, wenn sie denn alle dürften, als sorgeberechtigte eintragen lassen würden, mit allen jahrelangen konsequenzen und der willenserklärung, für kiko da zu sein, bis sie erwachsen ist. ihr leben so umzubauen, dass die verantwortung für kiko darin platz hat.
ich brauche diesen identifikationsraum „gemely“, um einen rahmen zu haben, an dem ich mich festhalten kann. damit ich mir nicht mehr so viele gedanken machen muss, ob wir kiko mit diesen vielen eltern nicht vor allem das risiko von vielen beziehungsabbrüchen mitgeben.

was mit dieser definierung aber leider auch leichter passiert ist eine grenzziehung, die vielleicht so gar nicht nötig ist. ich zumindest freue mich total darüber, wenn auch andere aus der gang lust haben, für kiko da zu sein. und das findet in der praxis auch immer wieder statt. und kiko liebt alle aus der gang. zumindest freut sie sich immer sehr über alle. und ich glaube, dass die gang für kiko sowieso zu ihrem zuhause dazu gehört. und ich diskutiere so fragen, ob wir kiko impfen lassen, auch gern mit allen. und es gibt ja super viele themen – zum beispiel, wie lange wir das gemeinsame wohnzimmer noch als kiko-schlafraum squatten – die ganz klar alle betreffen. und dann gibt’s aber auch themen, wie zum beispiel, für wen wir bei der kinderärztin eine vollmacht hinterlegen, dass er/sie allein mit kiko hingehen und alles entscheiden darf, die für mich irgendwie verknüpft sind mit dem grad der verbindlichkeit.

naja – und dass dieser grad der verbindlichkeit aber auch wieder viel mit der freiheit und den möglichkeiten der einzelnen zu tun hat, in ihrem leben derzeit so viel platz für ein kind einzuräumen, ist mir auch klar.

ich hoffe, dass diese gemely-identitätsgrenze sich langsam immer mehr entspannt und wir rollen und bezeichnungen finden, die sich für alle gut anfühlen. die der situation gerecht werden, aber sich nicht ausschließend anfühlen. und wahrscheinlich ist es auch ganz gut, wenn „wir“ gemelies mal ein bisschen runterkommen von unserem „wir sind ja so cool, weil wir ein alternatives beelterungsmodell leben“-trip. es geht ja nicht um hippness, sondern darum, ein modell zu erfinden, dass ganz genau UNSEREN (und mit unser meine ich jetzt auch die gang) bedürfnissen entspricht, mit einem kind zusammen zu leben. und hoffentlich auch den bedürfnissen des kindes. und es geht nicht darum, wieder neue normen zu setzen – „SO sollten alle mit kindern leben und nicht in einer pfui bah kleinfamilie“!. aber irgendeinen rahmen zum festhalten brauche ich anscheinend schon.

3 Gedanken zu „identität“

  1. Hallo mal wieder,
    ich finde es total sinnvoll, so eine Abgrenzung zu vollziehen, denn es geht beim zusammenleben mit Kind ganz klar um Verantwortung und Verbindlichkeit. Und es ist doch toll, dass sich da bei euch 4 Menschen so verbindlich sehen, dass es eine gemely gibt. Ich lebe ja auch mit Kind in Gruppe und wer hier welche Verbindlichkeit für welches Kind hat ist auch ganz eindeutig und das ist auch sehr wichtig, denn ohne eine solche Klarheit kann für ein Kind das Leben in Gemeinschaft auch mit für es unverständlichen Abruch der Beziehung verbunden sein, falls ein Erwachsener die Gruppe verlässt. Ein kleines Kind wird im Alltag nicht trennen zwischen gemely und anderen Gruppenmitgliedern, Kinder suchen sich ihr (lieblings)bezugspersonen sowieso selbst aus, da muss frau/mutter/*/ dann nur noch loslassen 😉 Es ist aber für mich persönlich als Hauptbezugsperson eines Kindes wichtig, zu wissen auf wen ich diesem oder jenem Fall verlassen kann und ob es ein Versprechen gibt, auch bei unterschiedlichen Lebenswegen für das Kind da zu sein. Und dabei geht es doch nicht um eine Bewertung, wer das oder das verprechen kann ist besser, als wer das nicht kann, sondern um klarheit (der Erwachsenen) und die ist für ein Kind denke ich sehr wichtig und das ist auch nur fair. Menschen die hier gelebt haben und aus dem Leben des Kindes wieder verschwunden sind haben in einem bestimmten Zeitraum sein Leben auf jeden Fall bereichert auch ohn weiter gehende Verpflichtungen eingegangen zu seinals wärende des Zusammenlebens auch (mals)für das Kind dagewesen zu sein.
    Nachtrag in Reflexion zu meiner eigenen Rolle:
    Durch die Geburt des Kindes fühle ich mich ihm allerdings so verbunden, dass es für mich total ok die Mama zu sein im Siinne einer Abgrenzung zu anderen Bezugspersonen. (was für mich nicht heißt für alle zuständig oder verantwortlich zu sein) und es ist auch nur eine von vielen Rollen in meinem Leben.

  2. Hallo,
    mal davon abgesehen, dass ich euer gemeinsam Eltern sein total spannend finde und immer wieder bewundere, wie viel ihr euch damit auseinander setzt, fallen mir zu diesem Beitrag auch ein paar Sachen ein.
    Das es immer wieder schwierig ist oder zu Konflikten führt, innerhalb der großen Gruppe noch andere Gruppen zu haben kenne ich sehr gut aus meinem Haus. Ob es dabei um gemeinsame Kinder (in Kleinfamilie oder Co-Elternschaft ist bisschen egal), gemeinsame Ökonomie oder andere Rahmen die wir uns setzen geht, macht nicht so einen großen Unterschied.
    Ich denke, dass es da ein bisschen um sowas wie ‚Neidisch-sein‘ geht. Also gar nicht so negativ gemeint, sondern eher, dass wir alle halt nicht gelernt haben, den anderen etwas so schönes zu gönnen und gleichzeitig zu unserer (meist) eigenen Entscheidung zu stehen, da ebend nicht dabei zu sein.
    Gleichzeitig seid ihr Eltern-Menschen natürlich auch in der Verantwortung euch nicht zu sehr gegen die anderen abzugrenzen und die guten Verbndungen nicht nur untereinander zu haben.

  3. Liebe „Gemeinsame Eltern“,
    ich hätte eine Anfrage, die ich euch gerne direkt mailen würde. Könnte mir einer von euch bitte einen/euren Kontakt schicken? Herzlichen Dank und schöne Grüße, Julia

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