Verzauberter Vater

Sechs Tage später

Da oben/da unten/vorhin musste ich unterbrechen, weil Kiko doch wieder aufgewacht war und bitterlich geweint hat. Da habe ich sie lange herumgetragen und nach einer Weile ist es wieder gut gewesen. Wenn sie innerhalb von ca. zwei Stunden erst gestillt wurde und sie dann weint, dann muss sie entweder kacken, oder hat ne nasse Windel oder es ist es dann scheinbar einfach so. Dann tragen wir sie herum, reden mit ihr, singen, versuchen verschiedene Positionen aus, reiben Bauch und Füße mit Vier-Winde-Öl ein oder ich lege eine meiner alten Geschichten-Schallplatten auf („Fünf Freunde und der Wanderzirkus“). Kann aber schon mal eine halbe Stunde Unglück bedeuten. Es hält sich allerdings in Grenzen, meistens wirkt unser Baby zufrieden und neugierig aufs Leben. Bei Yuriko wird sie manchmal schneller ruhig, durch das Stillen hat sie einen deutlichen Beziehungsvorsprung gegenüber Kiko, glaube ich, aber damit habe ich kein Problem (außer dass ich mich manchmal auch ein bisschen auf die Zeit freue, in der Kiko nicht mehr so muttermilchabhängig ist).

Gestern oder vorgestern habe ich sie in einem anderen Gebäude über dem Waschbecken abgehalten (das Abhalten zum Pinkeln oder Kacken funktioniert übrigens super! Wir erkennen einigermaßen, wenn da bald was kommt, dann ziehen wir sie untenrum aus und halten sie über Schüssel oder Waschbecken. Meistens ist das nach dem Aufwachen und nach dem Stillen eine sichere Nummer, dass sie dann pinkeln muss) und da war ein großer Spiegel über dem Waschbecken – das war süß, wie sie mein Spiegelbild angeschaut hat bzw. wie wir uns gegenseitig im Spiegel angeschaut haben. Gestern hab ich nochmal mit Yuriko darüber geredet, wie herzerweichend Kikos Blick ist, so ganz frei von allem, sie schaut einfach nur, minutenlang, direkt in die Augen, ohne Wertung oder die Frage, ob sie nicht besser die Augen abwenden sollte oder so… So einen Blick gibt es nicht unter Erwachsenen.

OK, offensichtlich ist hier ein Vater verzaubert von seinem Kind. Gibt es noch was Gemeinsam-Eltern-Erwähnenswertes? Ich fahre mal eben drei Tage weg, das habe ich letzte Woche angefragt und spürte ein „klar, mach mal, wir sind da“. Als ich das dann festgeklopft hatte, fühlte es sich bald nicht mehr so entspannt an, weil Emma eine Grafik-Deadline aufgedrückt bekommen hat. Da hörte ich dann auf einmal „das fühlt sich aber schwer an, zu zweit dieselbe Kinderbetreuung während Yurikos Diplomarbeitsnachmittagen aufrecht zu erhalten wie zu dritt – das fand ich dann doof. Ich finde super, dass ich mal eben wegfahren kann, aber ich will das nicht mit schlechtem Gewissen tun. Und Emma ist mit A-lex immer noch öfters weg als ich…
Aber ich habe nichts Ähnliches mehr gehört und jetzt (Montagmorgen) bin ich entspannt unterwegs. Wir hatten aber auch ein schönes Wochenende. Als da jede Menge Besuch da war – sowohl von Emma und A-lex als auch von Yuriko – da wollte jede_r immer gern das Kind nehmen. Da hab ich am Samstagabend einfach mal allein nen Actionfilm im Fernsehen angeschaut, weil eh alle beschäftigt waren und das Kind gern intergriert haben. Übrigens geht das Kind jetzt tatsächlich tendenziell ab acht, neun ins Schlafwohnzimmer, aber dort haben auch Yuriko und Besuch am Samstag noch Filme von Kikos ersten Tagen geguckt… „Die neue Richtlinie“ ist also nicht so streng und langweilig, wie ich oben befürchtet habe .

Nach dem betreuungsintensiven Wochenende hat sich die Gemely dann trotzdem noch (mehr zufällig) im dorfeigenen Café getroffen und das sehr genossen. Wir haben uns mitnichten satt. Vielleicht finden wir uns sogar noch immer spannender…

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