Beziehung ist immer Prozess: Dann lieber richtig

Was für ein sperriger Beitragstitel! Aber ich komme mit einer neuen Erkenntnis aus dem Urlaub zurück. Wir waren wieder in den Bergen, eine Woche nur Yuriko und ich mit den Kindern und dann in der zweiten Woche dann alle zusammen. Es war herrlich: Die Kinder mal auf die Berge treiben (und tragen) und in den Kletterwald und in den Gebirgsfluss… Brezen essen und Radler trinken… Fantastische Maschinen aus ausgeschnittenen Fertigpizzakartons zusammenkleben und neue Grenzen überschreiten (mit relativ großen Fahrrädern relativ weit fahren auf Straßen, auf denen tatsächlich Autos und dergleichen fahren). Allein diese Reize haben unsere Kinder wachsen lassen… und mir wieder mal klar gemacht, dass wir uns ganz gut eingerichtet haben im Leben in unserer Ökogemeinschaft im Nirgendwo (wo ich jetzt wieder im selbst gebauten Niedrigenergiehaus sitze).

Die neue Erkenntnis kam dann bei der Bergtour, die ich ohne Familie mit einem Vertrauten unternommen habe, der mir von seiner Zweierbeziehung/Kleinfamilie erzählt hat. Die Beziehung funktioniert gut, aber (offenbar natürlich in solchen Konstellationen) es gibt schon Nervereien und Reibereien… Sie mag nicht mehr mit ihm diskutieren, weil er, wie er selbst zugibt, sie stets in Grund und Boden argumentiert. Sie nimmt auch am Esstisch mal das Handy zur Hand, obwohl es eine klare Regel gibt, das nicht zu tun („Ist ja nur ganz kurz“, sagt sie dann… und er ist davon total genervt). Sie kauft dem Jungen immer ein Lego-Modell, wenn der Kleine mit ihr beim Einkaufen ist, weil sie nicht „nein“ sagen kann. Und so weiter.

Wenn ich das mit der Lage bei uns vergleiche, fällt mir auf: Das sind alles Unstimmigkeiten, die beim Gemely-Treffen zur Sprache kommen würden – die wir also in der Vierergruppe klären würden. Das wird schlicht auf einer anderen Ebene geklärt als in der Liebesbeziehung von mir und Yuriko und belastet diese deshalb nicht. Was Yuriko und mich aneinander nerven könnte (könnte mit Verschleppen von Aufgaben – sie – , mit dominantem Auftreten – ich –, mit Unordnung – sie – oder mit mangelnder Empathie – ich – zu tun haben), das sind die ganz normalen Probleme, die in Gruppen von Menschen auftreten und in irgendeinem gemeinschaftlichen Prozess bearbeitet werden müssen, damit sie sich nicht zu Groll verklumpen. Die Essenz der Erkenntnis also: Schon eine Zweierbeziehung ist eine Gemeinschaft und deswegen kommt man um Gemeinschaftsprozesse nicht herum, wenn man nicht als Einzelkämpfer leben oder enden will.

Was manche an so einer Gemely-Konstruktion oder an so einer Lebensgemeinschaft wie der, in der wir leben (150 Menschen im Dorf!) abschreckt, an dem kommen sie meiner Meinung nach sowieso nicht ganz vorbei. Dann lieber erhobenen Hauptes in den Prozess marschieren!

P.S. mir wird gerade klar, dass diese Meinung ziemlich im Gegensatz zu der von Emma steht, die klagt, dass ihr die Vierer-Elternschaft zu viel Gruppenprozessarbeit ist… Tja, so bleibt das dann wohl erst mal stehen. Ich finde: ja, es ist Arbeit, aber sie lässt sich nicht vermeiden. Genauso, wie es meiner Meinung nach keine Alternative zum Versuch eines nachhaltigen Lebens gibt, wenn man ehrlich zu sich sein und sich nicht was vormachen will…

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