Jetzt sind die Zwillinge in eine näher gelegene Klinik gezogen, wir fahren nur noch eine halbe Stunde (wenn es nicht gerade spiegelglatt ist) mit dem Auto und 55 min mit Bus und Rad, und Yuriko hat dort auch ein Zimmer. Und: Ich bin heute Morgen aufgewacht und habe die Babys vermisst. Nicht so sehr, dass ich gleich hingefahren wäre (Rabenvater, s.u.), aber doch immerhin. Ich habe sie gestern (eigentlich „mein Zwillingstag“ mit Yuriko) nur kurz gesehen, weil ich Kiko dabei hatte und auch nur wenig Zeit. Ich musste nachmittags zu Hause Brennholz sägen, und Kiko findet ihre Brüder immer nur sehr kurz spannend und will dann spielen. Immerhin gibt es in der neuen Klinik eine ziemlich gut ausgestattete Spielecke mit Spielbaby und Spielkinderwagen, damit kann sie durch die Gegend sausen.

An „meinem“ vorletzten Zwillingstag war ich gar nicht bei ihnen, weil das der Tag ihres Umzugs in die neue Klinik war. Da hätte ich auch nur den Vormittag gehabt, wegen nachmittäglichen Terminen, und dann kamen sie so spät in der neuen Stadt an, dass sich das Hinfahren (eh wieder mit Kiko) nicht mehr gelohnt hätte.
Damit hatte ich jetzt eine Woche keinen echten Babykontakt mehr, kein Wunder, dass ich sie vermisse.

Es ist aber in den vergangenen zwei Wochen ohne Kindergarten auch mörderisch (verglichen mit vorher) gewesen: Zu dritt betreuten wir Kiko, aber alle drei Tage fuhr eine*r von uns dreien den ganzen Tag zu den Twins (Yuriko jeden Tag). Das heißt, ich hatte zwei halbe Tage, um irgendwas anderes zu machen, zum Beispiel arbeiten, und dann einen ganzen im Krankenhaus. Da ging ja fast gar nichts mehr. Dass ich da nicht jeden Zwillingstag komplett mitnehmen konnte, hat dazu geführt, dass Yuriko mich auch schon mal „Rabenvater“ genannt hat – zwar leise und ein bisschen ironisch und mit der Einschränkung, dass das nur für die Babys gelten würde und nicht für Kiko – trotzdem ist das gemein. Diese Brennholzaktion gestern, da habe ich auch das Holz nachgesägt, dass Yuriko in den letzten Wochen verbraucht hat. Wir haben ja eine gemeinsame Ökonomie, wir Eltern, und solange nicht eine*r tagelang DVDs schaut, können wir davon ausgehen, dass er oder sie was Sinnvolles für die ganze Gruppe tut.

Morgen fängt der Kindergarten nach den Weihnachtsferien wieder an, da bin ich aber froh, dann haben wir wieder mehr Luft. Und Dienstag („mein“ nächster Zwillingstag) will ich dann von früh bis spät bei den Babys und bei Yuriko sein.
In der Klinik, in der sie/wir jetzt sind, läuft übrigens alles anders als in der Station der größeren Stadt, in der wir vorher waren. Alles ist neu und geräumig, aber es scheint auch viel weniger los zu sein. Wir sind die einzigen Eltern von Frühgeborenen. Es gibt keine bequemen Stühle, in denen wir uns zum Känguruhen mit den Babys hinlegen könnten – nur normale Sitze, in denen wir die Kleinen im Arm halten. Die Schwesternschaft schaut nicht mehr aus wie der Backgroundchor aus einem Musikvideo (ja, ich hatte eine Lieblingsschwester… aber natürlich wusste die das nicht), und die Türen stehen nicht alle offen, sodass man mitbekommen würde, wer so alles da ist. Es war wirklich kuscheliger vorher (ich würde ja gern den Namen der Stadt nennen, aber wir wahren ja hier so was wie Anonymität…). Dafür können wir jetzt selbständiger sein. Das hat natürlich vor allem Yuriko gemerkt und sich umstellen müssen: Sie kann da anlegen, rausnehmen, wickeln, wann immer sie will. Und sobald die Kleinen keine Sauerstoffsättigungsabfälle mehr haben (immerhin: Nur noch ein Sensor; vorher wurden drei Werte gemessen!), ziehen sie mit Yuriko auf ein Zimmer. Ob dann von uns auch jemand dazuziehen darf, wissen wir noch nicht. Bei Kiko waren wir ja immer zu zweit in der Klinik, Tag und Nacht, da sollten wir das doch bei Zwillingen erst recht so machen, oder?
Übrigens wurde Kiko auf der Geburtsstation derselben Klinik geboren, in deren Kinderstation jetzt die Twins liegen. Und Kiko ist dort berühmt: Sie war ja auch zu früh, wurde aber ohne irgendwelche Magensonden oder Sensoren bei uns im Familienzimmer aufgepäppelt und dann mit unter 2 kg Gewicht entlassen. Diese Geschichte erzählt man sich scheinbar noch heute in diesem Krankenhaus, es hat scheinbar weder vorher noch nachher wieder so was gegeben. Jetzt flitzt Kiko mit einem Spielkinderwagen durch die Gänge und keiner dort weiß, dass es sich um dieses legendäre Baby handelt und dass sie so gut geraten ist…
Als Yuriko damals fix und fertig war und wir um jede Stunde Schlaf für sie dankbar waren, hab ich mal einen Zettel an die Tür unseres Zimmers gehängt. „Yuriko schläft, bitte nicht stören“. Und an diesen Zettel erinnern sich die Hebammen und Schwestern dort auch noch, sowas hat scheinbar auch noch nie jemand gemacht. Obwohl ich bis heute nicht weiß, was daran besonders sein soll. Wir haben das erfahren, als wir den ersten Ultraschall der Twins dort in der Klinik machen ließen. In so einer Klinik geht es halt schon recht konventionell zu.

Als ich gestern da war, lagen Noam und Ta („Noam“ finde ich schöner als Noa) immer noch zusammen im Bettchen, obwohl das schon ganz schön eng war. Wir finden es gut und die beiden scheinen auch zufrieden(er). Heute ist A-lex bei ihnen und Yuriko. Emma hat Kiko bis 16:30, dann bin ich dran. Ich habe einen Dreivierteltag zum Schreiben, Räumen und Denken. Was für ein Luxus!! Auch in der Sache aus dem letzten Beitrag „Erweiterung Gemely“ geht es weiter, da werde ich demnächst wieder berichten, es sollen nicht immer alle Gemely-Mitglieder meine Gedanken aus dem Internet erfahren.

Was ich auch gern mal veröffentlichen würde: Eine Liste unserer liebsten Kinderbücher. Denn Bücher spielen bei uns eine große Rolle. Wir Erwachsenen lieben Bücher (meine letzte Empfehlung: Alle Bücher von Joachim Meyerhoff, und davor: „Oryx und Crake“ von Margaret Atwood) und Kiko liebt sie auch. Zu Weihnachten gab es neue, von denen vor allem das Wimmelbilderbuch „Unser Zuhause“ ganz toll und empfehlenswert ist (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ostern-tipps-fuer-bilderbuecher-zum-verschenken-a-1025173.html, bitte im Buchladen deines Vertrauens kaufen!).
Hier ein erster Vorgeschmack:
„Rosa und die Zimtschnecken“
Die Wimmelbider von Ali Mitgutsch natürlich
„Luzie Libero und der süße Onkel“
„Die Torte ist weg“
„Ein neues Haus für Charlie“
Die Peterson & Findus Bücher sowie die von Mamma Muh und der Zauberin Zilly.

Es gibt ein paar uralte Bücher, die schön sind, zum Beispiel eine Geschichte über einen entlaufenden Hund, die mit echten Fotos erzählt ist.

Und die Conny-Geschichten mag Kiko gerne, obwohl uns die eigentlich zu, wie sagt man, „heteronormativ“, sind. Kann doch nicht so schwierig sein, diese Geschichten in ein bunteres Umfeld einzubetten, in dem Conni nicht jedesmal die Beste ist, oder???

Aber wie gesagt, das war nur ein Vorgeschmack. Ich hab jetzt so viel und zu so unterschiedlichen Dingen geschrieben, weil ich keine Ahnung habe, wann ich wieder zum Bloggen komme :-).

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